Money, Blood and Revolution (George Cooper)

 

 

Besonders Interessant sind die 3 Grafiken, die während des Interviews erläutert werden.

Quellen/Sources:

http://georgecooper.org/

http://blog.dasmagazin.ch/2014/04/15/geld-blut%E2%80%89-revolution/

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3 Antworten zu Money, Blood and Revolution (George Cooper)

  1. thewisemansfear schreibt:

    Das was er da sagt, sollten eigentlich Allgemeinplätze sein. Wachstum funktioniert langfristig nur, wenn alle Beteiligten „mitgenommen -„, d.h. einzelne Akteure in ihrer Macht beschnitten werden. In der Tat ist es so, dass es vor allem um relative Machtausweitung geht – quasi nach dem Motto „Beat the average“. (siehe hier: http://rwer.wordpress.com/2014/04/30/profit-from-crisis-why-capitalists-do-not-want-recovery-and-what-that-means-for-america/) Nur sorgt dies genau für jenen nicht gewollten Fettaugen-Effekt (Machtkonzentration Weniger), da es zu Lasten anderer Akteure (der breiten Masse) geht. Letztlich begrenzt sich das System auf diese Weise selbst.

    Da es aber auch hier wieder einmal nur darum zu gehen scheint, wie man wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren kann, liegt die Vermutung nahe, dass auch diese beiden Herren anscheinend das Ökosystem lediglich als einen Bestandteil von „Wirtschaft“ ansehen. Dabei ist das Ökosystem Erde das begrenzende Element – auch für Wirtschaft. So lange es Menschen gibt, wird es immer „Wachstum“ geben. Die relativen Raten werden, nein, müssen jedoch immer weiter sinken.

  2. moneymind schreibt:

    Hi Matthias, danke für den Hinweis.

    Zwei Punkte kurz: zum einen zu Coopers Schema, in dem er die ökonomischen „Theorieschulen“ (Glaubensgemeinschaften) nach „Staatseingriffe befürwortend“ und „an Stabilität des Marktes glaubend“ anordnet. Die österreichische Schule sortiert er dabei so ein, daß sie den Markt für instabil hält. Ich denke, das ist unzutreffend – die Österreicher glauben, völlig freie Märkte wären stabil, Instabilitäten und Übertreibungen schreiben sie einfach pauschal immer dem Staat zu, um so dessen Zurückdrängen aus der Wirtschaft zu rechtfertigen. Hayek wollte bekanntlich Zentralbanken abschaffen (und sein Nachfolger Huerta DeSoto ebenfalls), und auch bei der Geldschöpfung „völlig freie Märkte“ walten lassen. Die gut dokumentierte free-banking Periode, in der es noch keine Zentralbanken gab und in der private Notenbanken regelmäßig mit runs und Pleiten konfrontiert waren, müssen diese Ösis dann entweder ignorieren oder wiederum mit hahnebüchenen Konstruktionen diese Runs und Pleiten dem Staat in die Schuhe schieben. Das Schema ist dann immer dasselbe: „wären die Märkte nur völlig frei von Staatseingriffen gewesen, hätte man ein Optimum erreicht“. Dieser Satz zählt dann zu den unbeweisbaren, aber unhinterfragbaren Dogment der Ösis. Er schreibt vor, daß sämtliche Übel automatisch immer dem Staat angelastet werden müssen – wie genau, wird dann im Einzelfall je nach Bedarf konstruiert.

    Zum anderen: Kuhn stellt zwar die Theorieentwicklung in den Kontext der „scientific community“, liefert also – wie der Lemberger Ludwik Fleck, aus dessen Buch „Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache“ sich Kuhn großzügig bedient hat – ein Stück Wissenschaftssoziologie. Er stellt dann aber die scientific community nicht in den Kontext der gesamten Gesellschaft und ihrer Interessengruppen. Letztere sind (aus meiner Sicht) zwar nicht die „Paradigm Developer“, aber eben die „Paradigm Promoters“: Interessengruppen propagieren das Erklärungsmodell bzw. legitimieren ihre Strategien mit demjenigen Erklärungsmodell, das ihren jeweiligen Interessen am besten dient. Da „Wissenschaftlichkeit“ in unserer Kultur geschätzt wird, kann man den eigenen Interessen so einen „wissenschaftlichen Anstrich“ geben, d.h. den Schein der Objektivität. Außerdem kann man so das jeweils eigene Interesse so darstellen, als fiele es mit dem allgemeinen Interesse zusammen.

    Beispielsweise war die Klassik (Smith-Ricardo) eine Theorie, die eher den Interessen des Bürgertums diente. Marx fühlte sich auf der Seite der damals gerade erstarkenden Arbeiterbewegung. Er vollendete die Arbeitswerttheorie der Klassiker, indem er daraus die Mehrwerttheorie (Ausbeutungstheorie) machte. Die Arbeiterbewegung griff Marx‘ Theorie auf. Als theoretische Konterrevolution der Vermögenden entstand dann Ende des 19. Jahrhunderts die Neoklassik, die im Westen zum dominierenden Modell aufstieg (während in Rußland Marx 1917 zur herrschenden Ideologie wurde). Die Neoklassik führte dann aber in die Weltwirtschaftskrise, was zur Entwicklung des Keynes’schen Modells führte. Da dieses auf Vollbeschäftigungspolitik zielte, stärkte es die Arbeiterklasse (Gewerkschaften) und wurde dann auch von der (nach ihrer reformistischen Abkehr von Marx theoretisch orientierungslosen) SPD als Ideologie übernommen („Linkskeynesianismus“), wenn auch in Gestalt der schon wieder neoklassisch zurückgeholten „neoklassischen Synthese“ / des IS-LM-Modells („Bastardkeynesianismus“). Natürlich fürchteten die Vermögenden während des kalten Krieges immer Sozialismus, der ja Osteuropa beherrschte – nur desweggen machte man den westlichen Arbeitern überhaupt soviele Zugeständnisse. Als dann die Gewerkschaften übermächtig wurden, setzte die Konterrevolution ein.

    Ab den 70ern begann dann mit Friedmans Monetarismus die Rückkehr der Neoklassik und die Verdrängung des Keynesianismus. Mit dem Kollaps des Realsozialismus wurde der Marxismus endgültig entsorgt, und die SPD stand nun ohne Theorie da. In völliger Orientierungslosigkeit übernahmen Schröder und Blair das aus der Neoklassik folgende wirtschaftspolitische Programm (Agenda 2010, Hartz4 etc.). Wieder war die Neoklassik die unangefochtene Mainstream-Ideologie, und die führt mit derselben Notwendigkeit wie in den 30er Jahren ins Sparparadoxon (wenn auch unterbrochen von völlig unüberlegten notkeynesianischen Feuerlöscheraktionen, die von den Banken per Erpressung herausgeholt wurden: „wenn wir pleite gehen, reißen wir das ganze System mit runter, das könnt Ihr doch nicht wollen, oder?“).

    Die Aufgabe JETZT lautet m.E.: Begründung und Ausarbeitung eines neuen, in der tatsächlichen Wirklichkeit der Kredit- und Geldschöpfungsprozesse wurzelnden makroökonomischen Paradigmas. Marginalisierte Postkeynesianer (wie z.B. Minsky, sein Schüler Randall Wray mit der Modern Monetary Theory, die Circuit Theorists um Graziani, und andere) haben daran jahrzehntelang gearbeitet und Teilergebnisse erarbeitet, und die Ergebnisse dieser Arbeit müssen jetzt synthetisiert, fundiert und konsolidiert werden.

    Ich denke: je realitätsnäher das Modell ist, desto weniger extrem läßt es sich für Sonderinteressen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen funktionalisieren. So ließen sich die „langen Zyklen“, die bisher ja jeweils von dogmatischen, ideologisch begründeten Auf- bzw. Abschwungsstrategien gesteuert waren, hoffentlich wenigstens etwas „abflachen“ (mehr ist, glaube ich, nicht drin).

    Beste Grüße!

    • moneymind schreibt:

      Hi Matthias,

      um nochmal mein Argument gegen die Ösis (Österreichische Schule) zu untermauern: die Unterstellung, Märkte funktionierten immer und überall effizient und stabil, daher sei jegliche Ineffizienz und Instabilität immer Schuld des Staates (inclusive Zentralbank), wurzelt letztlich in einer fiktiven Werttheorie (Marginalismus, Grenznutzentheorie), die damit, wie Wirtschaftsteilnehmer Güter tatsächlich (in Geldeinheiten) bewerten, nichts zu tun hat.

      Die Story von den stabilen Märkten wird aus einer wirklichkeitsfremden axiomatischen Werttheorie abgeleitet, widersprechende Evidenz wird dann einfach anderen Faktoren zugeschrieben, wie man’s braucht. Versagt der Markt, wird einfach immer dem Staat die Schuld in die Schuhe geschoben.

      Warum sind Märkte instabil?

      Generell gesagt, weil Marktteilnehmer im Eigeninteresse prozyklisch handeln müssen, sodaß sich ein Prozess positiven Feedbacks ergibt (wie bei einem Mikrofon, das man direkt vor den Lautsprecher des Verstärkers hält, an den es angeschlossen ist: jeglicher Sound schaukelt sich dort sofort auf zu einem ohrenbetäubenden Pfeifen).

      Antizyklisches Handeln ist nur Akteuren möglich, die durch antizyklisches Handeln nicht ihre eigenen Interessen verletzen müssen, so wie das private Marktteilnehmer müssen. Antizyklisch handeln können daher nur Zentralbank und Staat (bzw. internationale Organisationen).

      Gute konkrete Beschreibungen des Prozesses (allerdings ohne explizite Werttheorie, aber immerhin mit einer implizit praxiskompatiblen) findest Du z.B. (sehr gut) bei

      1) George Soros: Alchemy of Finance, im Kapitel „The Credit and Regulatory Cycle“;
      http://books.google.de/books?id=qxkiYul2wgoC&printsec=frontcover&dq=alchemy+of+finance&hl=de&sa=X&ei=-9FtU_LaDcmX1AWN34CgBg&ved=0CEAQ6AEwAA#v=onepage&q=alchemy%20of%20finance&f=false

      oder in

      2) Heine/Herr: VWL – eine paradigmenorientierte Einführung im Abschnitt „Finanzkrisen“, ab S. 455
      http://books.google.de/books?id=ub52wuWf1zoC&pg=PA764&dq=heine+herr+einf%C3%BChrung&hl=de&sa=X&ei=2dFtU6iKA-O60QW0i4DgDg&ved=0CD4QuwUwAQ#v=onepage&q=heine%20herr%20einf%C3%BChrung&f=false

      Ich selber habe mal vor Jahren versucht, das grob darzustellen:
      https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:qb-4Hp0eQ7EJ:www.dasgelbeforum.net/sammlung/BuergRechtGeldII-n.pdf+sammlung/buergrechtgeldii-n.pdf&hl=de&gl=ch&pid=bl&srcid=ADGEESgZVvbSv_AkCUAKLpKYl6ZJQsSYJwk_1dr9vsVa3_pNLbFD-PIz9Z3Rx2YKUfUi1cN_va8LwXW4o-t4rwmuS8V-fQYi7Y1CS7fHTYy3h_kerprsPU0VM73wlhwvGtWrPBa_zY-9&sig=AHIEtbRa_8Y-sgJIUIM126ehQJEjQTqFlw

      Diese Darstellung halte ich heute allerdings für in enorm wichtigen Punkten für verkürzt. Mangels saldenmechanischen Verständnisses ist dort nicht nur der Fehler vom „fehlenden Zins“ enthalten, den die AG ganz richtig widerlegt hat. Auch eine Einsicht in die Saldenmechanik der Staatsschulden fehlt dort mangels der fehlenden Einsicht, daß Schulden immer = Guthaben. Deshalb habe ich Staatsschuld dort falsch behandelt und lande – damals noch befangen in neoliberaler Mainstream-Ideologie bezüglich Schulden und Staatsschulden – fäschlicherweise bei TINA. Die jederzeit bestehende Möglichkeit eines „New Deal“ à la Schulmeister hab ich damals noch nicht gesehen.

      Es fehlt auch eine Zentralbank in diesem Modell. Generell enthält das Modell keine Geld- und Fiskalpolitik und ist daher inakzeptabel. Die Darstellung von boom/bust-prozessen enthält nur Güterpreisinflation/-deflation, aber nicht die inflationären Auf- und deflationären Abwertungen der haftenden nominell variablen Sicherheiten der Wirtschaftsteilnehmer (das sind die nominell variablen Posten auf der Aktivseite der Bilanz, also die forderungslosen Vermögenswerte oder nonfinancial assets wie z.B. Grundstücke, Gebäude etc.).

      Um also auf das Cooper-Video zurückzukommen: die Österreichische Schule glaubt NICHT (wie Cooper behauptet), daß Märkte instabil seien. Sie gehört also in Coopers Schema auf der horizontalen Achse nach rechts, dorthin, wo auch die Neoklassik steht.

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