Leistungsbilanzsalden und Finanzkrisen

Gerald Braunberger (FAZ) lobt die Kollegen vom Blog „Never Mind the Markets“ und ihre vorbildliche Darstellung (Das Einmaleins der schädlichen Exportüberschüsse).

Das Verständnis der Wirtschaftsjournalisten in Frankfurt und Zürich scheint in dem wichtigen Sachverhalt, dass massive Kapitalexporte in einem ursächlichen Zusammenhang mit Finanzkrisen stehen, zu wachsen. Und wiedereinmal sind es die beiden Blogs (FAZIT und Never Mind), die beim Tansport dieser Botschaften eine Vorreiterrolle einnehmen.

Braunberger beschreibt in seinem neuesten Artikel vier historische Finanzkrisen, in denen Kapitalexporte eine maßgebliche Rolle spielten.

Zitat: Leistungsbilanzüberschüsse gehen mit Kapitalexporten einher. Entsteht in den Defizitländern eine Überschuldung, kann der Ausbruch einer systemgefährdenden Finanzkrise drohen. Spätestens dann werden die Salden auch eine politische Angelegenheit. Die Geschichte liefert hierfür einprägsame Beispiele.

Die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft beeinflusst die Höhe der Exporte, während der Leistungsbilanzsaldo, also der Saldo von Exporten und Importen, wesentlich von der Höhe und der Verwendung der Ersparnisse abhängt.

Dann werden verschiedene historische Finanzkrisen mit diesen Grundgedanken in einen Zusammenhang gestellt (Baring Krise/Argentinien-1890; Lateinamerika 1980iger Jahre, und Asienkrise 1997/98). Bei dieser Gelegenheit sei wiedereinmal an das großartige Werk von Kindlberger  “Maniacs, Panics and Crashes” erinnert. Ein Buch das nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat und uns die Bedeutung der Wirtschaftshistorie vor Augen führt.

Am Ende wird dann das beschriebene Szenario auf die uns heute beschäftigende Eurokrise angewandt. Auch hier spielen Leistungsbilanzsalden und massive Kapitalexporte eine wichtige Rolle. Interessant ist die Aussage von Braunberger, dass amerikanische Ökonomen für Europa eine Neuauflage eines „Brady Planes“ vorschlagen.

Zitat: Es gibt – übrigens gerade amerikanische – Fachleute, die der Ansicht sind, dass auch die Schuldenkrise in Europa eines Tages durch eine Art “Brady-Plan” gelöst werden müsse.

Markus Diem Meier aus der Schweiz fragt in seinem neuesten Beitrag:

Zitat: Die Nettoexporte entsprechen den volkswirtschaftlichen Ersparnissen abzüblich der Investitionen. Warum nur geht diese einfache Indentität in der Debatte über problematische Exportüberschüsse immer vergessen? (NX = S – I)

Sehr lesenswert dann seine Schlussfolgerungen:

Was lässt sich aus den obigen Identitäten mit Bezug auf die Debatte über die Aussenhandelsüberschüsse zum Beispiel von Deutschland folgern?

  • Exportüberschüssen stehen immer Importüberschüsse (bzw. Leistungsbilanzdefizite) anderer Länder gegenüber.
  • Leistungsbilanzdefizite bedeuten für die betroffenen Länder eine geringere Nachfrage nach der inländischen Produktion zugunsten jener der Länder mit Exportüberschüssen und damit eine höhere Arbeitslosigkeit. Verhindert werden kann die höhere Arbeitslosigkeit nur, wenn eine gesteigerte Nachfrage durch eine steigende private und öffentliche Verschuldung zu einem übermässigen und nicht nachhaltigen Wachstum führt.
  • Exportüberschüsse widerspiegeln eine ungenügende Binnennachfrage.
  • Den Bewohnern eines Landes mit Exportüberschüssen kommen nicht alle Früchte ihrer Arbeit zugute.
  • Exportüberschüsse sind nicht Ausdruck einer besonderen Leistungsfähigkeit oder Produktivität der Unternehmen eines Landes.
  • Die Leistungsfähigkeit ist zentral für die Wettbewerbsfähigkeit, was die Exporte erhöhen kann. Überschüsse sind aber nicht die Konsequenz der Leistungsfähigkeit, sondern des Umstands, dass deren Früchte unzureichend den Konsumenten im Inland zugute kommen.
  • Exportüberschüsse sind kein Hinweis auf den Vorteil des internationalen Handels bzw. komparativer Kostenvorteile, wie das Beat Kappeler absurderweise in seiner Kolummne in der NZZ am Sonntag suggeriert hat. Der Vorteil des Internationalen Handels gemäss dieser auf David Ricardo  zurückgehenden Theorie liegt in der Konzentration jedes Landes auf jene Bereiche, in denen es (relativ zu anderen Bereichen) am produktivsten ist. Aber der Zweck des Handels ist immer, etwas für das Verkaufte einzutauschen und nicht, Devisen durch Exportüberschüsse anzusammeln, und dadurch das Ausland mit Krediten zu versorgen.

Auch die Kollegen von „Never Mind the markets“ haben dann noch eine Litaraturempfehlung, der ich mich anschließen möchte. Das wirklich faszinerende Buch von Liaquad Ahamed: „Die Herren des Geldes“ (Pulitzer Preis 2010).

Quellen:

http://blog.fuw.ch/nevermindthemarkets/index.php/33571/das-einmaleins-der-schaedlichen-exportueberschuesse/

http://blogs.faz.net/fazit/2013/11/17/leistungsbilanzsalden-und-finanzkrisen-2941/

http://www.amazon.de/Die-Herren-Geldes-Weltwirtschaftskrise-ausl%C3%B6sten/dp/3898795780/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1383658603&sr=8-1&keywords=ahamed

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