Die Suche nach der richtigen Geldtheorie (Teil 1)

Die große Frage der heutige Makroökonomie und  Finanztheorie lautet:

Die Suche nach einer Theorie, die die Wechselwirkungen zwischen dem Geldangebot und der Geldnachfrage erklären kann.
Bei der Suche nach Antworten bin ich auf eine interessante Dissertation aus der Schweiz gestoßen:
Die Hypothese Finanzieller Instabilität (Hyman P. Minsky)
Versuch der theoretischen Abgrenzung und Erweiterung (2002), Universität Freiburg /Schweiz
von Mark Schnyder

Die Unterscheidung zwischen exogener und endogener Geldmenge bezieht sich auf die Abhängigkeit des Geldangebotes von der Geldnachfrage
Sowohl der strikt exogene als auch der strikt endogene Ansatz machen keine Unterscheidung zwischen Liquiditätspräferenz und Geldnachfrage. Gerade weil die endogenen Anhänger die Liquiditätpräferenz von Banken ignorieren und die negativen konsequenzen einer steigenden Liquiditätspräferenz (LQP) der Nichtbanken vernachlässigen kann jegliche Kreditnachfrage immer befriedigt werden und die LQP keine Rolle spielen (Wray 1992, S. 172).
Der Einbezug einer klaren Unterscheidung zwischen Liqiditätspräferenz und Geldnachfrage sowie von Minskys Erkenntnissen hinsichtlich der Rolle der Bilanzstruktur führt laut Wray zu einer realitätsnäheren Darstellung und Stärkung des Konzeptes der endogenen Geldmenge (Wray 1990, S. 134)
Das Konzept einer exogenen Geldmenge kann mittels der Aussage “ Reserven verursachen Geld „,
jenes der endogenen Geldmenge mittels “ Geld verursacht Reserven “ zusammenfassend beschrieben werden.

Etwas verfeinert:

der exogene Ansatz der Geldtheorie (Neoklassik, Monetaristen und Neokeynsianer) kann somit etwas detaillierter als
a) Depositen begründen Reserven
b) Reserven begründen Kredite
beschrieben werden.
Die endogene Konzeption (Postkeynsianer, Minskyaner und MMT) kann mittels folgender drei Punkte
a) Kredite begründen Depositen
b) Depositen begründen Reserven
c) die Geldnachfrage induziert das Geldangebot
beschrieben werden.
L. Randell Wray entwickelte seit den 90iger Jahren als Schüler von Hyman Minsky einen alternativen Ansatz der endogenen Geldmenge, der sich von der Theorie einer reinen endogenen Betrachtung unterscheidet.
Seite 153 – 160 (in der Dissertation: sind sehr interessant für Geldtheoretiker)
Da Wray auch der MMT zugeordnet wird, besteht hier eine interessante Verknüpfung zwischen der Theorie Minsyky`s (Hypothese Finanzieller Instabilität) und dem alternativen endogenen geldtheoretischen Ansatz von Wray. Sie erscheinen kompatibel.
Dabei hilft die Unterscheidung von Liquidität und Geld resp. Liqiditätspräferenz und Geldnachfrage das Investitionsmodell von Minsky genauer zu formulieren. Die Liqiuditätspräferenztheorie ist nämlich keine Theorie der Geldnachfrage.
Quelle:
Dissertation von Mark Schnyder

Die Hypothese Finanzieller Instabilität (Hyman P. Minsky); Versuch der theoretischen Abgrenzung und Erweiterung (2002), Universität Freiburg /Schweiz

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3 Antworten zu Die Suche nach der richtigen Geldtheorie (Teil 1)

  1. moneymind schreibt:

    Der alte Streit zwischen Banking- und Currencytheorie, zwischen privater und staatlicher Geldtheorie etc. tobt also weiter, und es gibt sogar Zwischenpositionen, die sowohl „endogenes“ als auch „exogenes“ Geld am Werk sehen (wie Peter Spahns Aufsatz „Geldwirtschaft“ – https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/wipol/Publikationen_Spahn/geldwirt.pdf – oder Randy Wrays Aufsatz „Credit and State Theories of Money“ zeigen.

    Dazu nur eine kurze generelle Anmerkung:

    Die große Frage der heutige Makroökonomie und Finanztheorie lautet m.E. nicht „Die Suche nach einer Theorie …“, auch nicht „was ist Geld“ usw., sondern: was MACHEN Geschäfts- und Zentralbanken heute eigentlich tatsächlich – und warum? D.h., welche ZIELE verfolgen sie dabei? Was bedeuten diese Aktionen für a) sie individuell, b) für die Akteure, mit denen sie dabei Verträge schließen, und c) für die Gesamtwirtschaft?

    Wir müssen Wirtschaft so beschreiben, daß von Grund auf und konsequent/durchgängig die Akteure und ihre Erwartungen/Ziele explizit in die Beschreibung einbezogen sind und nicht durch eine pseudowissenschaftliche, Objektivität suggerierende und dabei nur essentielle Informationen eliminierende Sprache aus der Betrachtung herausgekürzt werden.

    meint
    moneymind

  2. moneymind schreibt:

    Eine sehr gute Zusammenfassung der geldtheoretischen Diskussionen der letzten 200 Jahre um die Themen „currency vs. credit“, „exogenes vs. endogenes Geld“, „Privat- vs. Staatsgeld“ etc. bietet übrigens Charlotte Bruun in ihrer Dissertation „Logical Structures and Algorithmic Behavior in a Credit Economy“ an – im Kapitel 1: „The Nature of Money“ und im Kapitel 2: „The Development of the Theory of Credit“. Sie versucht auf der Basis keynes’scher Gedanken ein Modell zu entwerfen, das sowohl die Stützel’sche Saldenmechanik als auch das individuelle Verhalten der ökonomischen Akteure in die Analyse einbezieht. Sehr lesenswert, wie ich finde.
    Die komplette Dissertation steht hier zum Download bereit:
    http://personer.samf.aau.dk/charlotte-bruun/downloads/working-papers/

  3. Dirk schreibt:

    „a) Kredite begründen Depositen
    b) Depositen begründen Reserven
    c) die Geldnachfrage induziert das Geldangebot“

    Während Kredite direkt Depositen erzeugen (und nicht nur begründen), sieht es bei den Reserven anders aus: sie würde es auch ohne Kredite geben bzw. Depositen „erzeugen“ nicht zwangsläufig Reserven. Ich denke, es geht hier wie oben bereits bemerkt nicht um die richtige (abstrakte) „Theorie“, sondern um a) das Verständnis der bilanziellen Zusammenhänge und b) darauf aufbauen das Korrigieren von institutionellen Gegenheiten zur Lösung wahrgenommener Probleme (u.a. Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa ohne Perspektive auf Wachstum).

    Die genannten Theoretiker (Wray, Minsky und Co) sind m.E. nach schon auf der richtigen Spur – viel Erfolg bei der weiteren Nachforschung!

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