Spurensuche: „Ein Jahr nach Draghis Rede“ Eine vollkommen neue Währungsunion?

Äußerlich mag die neue Währungsunion der alten noch ähneln. Doch ihr Charakter ist heute ein völlig andere. Diese These lönnte man mit einiger Berechtigung aufstellen, wenn man sich die Entwicklung der letzten 12 Monate betrachtet.

Die vielen Kommentatoren unterteilen sich in zwei große Gruppen: Das Fundament der Maastricht Verträge, auf dem die Gemeinschaftswährung errichtet wurde, ist, und da teilen alle die gleiche Meinung, im Verlauf der Krise erodiert.

In den Augen der Unterstützer Draghis, hat er die Basis für den Euro weiterentwickelt und damit gestärkt. In den Augen seiner Kritiker hingegen hat er die Erosion dramatisch beschleunigt.

Doch was hat Draghi am 26. Juli. 2012 in London konkret gesagt? In seiner damals nur gerade mal 11 minütigen Rede vor ganz besonderen Gästen, stechen besonders drei Sätze hervor:

„Ich habe mich gefragt, welche Botschaft ich Ihnen heute hier verkaufen will“, Das Publikum der Global Investment Conference in London horcht auf. Draghi will ein Signal aussenden. „Innerhalb ihres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, um den Euro zu retten“, sagt Draghi. „Und glauben Sie mir – es wird reichen.“

Die WELT meint dazu: Ein paar Sätze verändern die Euro-Zone.

Zitat: Das weitreichende Versprechen, mit dem Draghi vor ziemlich genau einem Jahr die Welt überraschte, hat gereicht, um sie alle in ihre Schranken zu weisen: die risikofreudigen Spekulanten, die damals auf die Pleite des Dauer-Krisenlandes Griechenland wetteten genauso wie die ewigen Nörgler und Zweifler, für die das Ende des Euro kurz bevorstand.

Der Züricher Tagesanzeiger bemerkte am 08.05.13 hingegen:Die Impotenz der EZB

Eher auf der Unterstützer Seite (zu Draghi) zu verorten, anlysiert Markus Diem Meier sehr differenziert die Grenzen für die EZB.

Zitat:Mit dem so genannten OMT-Programm (der blossen Ankündigung, im Notfall entschieden gegen überhöhte Zinsen bzw. Renditen von Staatsanleihen gefährdeter Ländern vorzugehen) hat die EZB den Teufelskreis bei den Zinskosten für gefährdete Länder gebrochen. Den Teufelskreis mit den Kreditkosten für KMU in den Peripherländern aber bekommt die Notenbank bisher nicht in den Griff und er ist potenziell für die Eurozone ebenso gefährlich wie derjenige bei den Staatsanleihen.

Der EZB fehlen bisher schlicht die Instrumente, um der Kreditklemme in den Peripherieländern wirksam genug entgegenzutreten. Fast schon verzweifelt gibt Mario Draghi denn auch einmal mehr den Ball an die Politik weiter, mit der Bankenunion endlich vorwärts zu machen. So lange das Bankenrisiko, die Bankenaufsicht und die Bankenabwicklung in den Mitgliedsländern mit ihren stark unterschiedlichen Möglichkeiten im Umgang mit Problemen in diesen Bereichen bleiben, kann die Geldpolitik der EZB im Krisenfall die Kreditversorgung nicht überall gleich beeinflussen.

Wenn wir  jedoch die Kritiker Seite betrachten, stellen wir fest, das dort ganz andere Befürchtungen geäußert werden.

Dr. Thomas Mayer (ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank)

„Die EZB wird zum Ausputzer im Krisenfall und gleichzeitig zum Selbstbedienungsladen für die Staaten der Euro-Zone“, warnt er. Mit dem Versprechen, alles zur Rettung des Euro zu tun, hat sich die EZB in seinen Augen davon verabschiedet, allein für Preisstabilität sorgen zu wollen. „Sie wird Teil einer Wirtschaftsregierung und damit eine Staats-Zentralbank“, sagt er.

Statt ein Ziel habe die EZB nun faktisch vier Ziele: stabile Preise, stabile Banken, stabile Staatsfinanzen und die Förderung der Wirtschaftspolitik in Europa ganz allgemein: „Einen Weg zurück zu Maastricht kann ich nicht mehr erkennen.“

Die Etablierung der EZB als „Tender of Last ressort“

Die WELT stellt nun fest das Draghi nicht alleine entschieden hat, sondern wesentliche europäische Politiker zur selben Zeit ihre Linie geändert haben. So aber haben Draghi und Merkel mit vereinten Kräften die Euro-Gemeinschaft verändert, über die Köpfe der Bürger hinweg.

Joachim Fels (Ökonom bei Morgan Stanley):

Zitat: Ein penibler Maastricht-Kurs war schlicht nicht mehr durchzuhalten.  Der Vertrag stammt aus einer anderen Zeit, argumentiert der Chefvolkswirt der Bank Morgan Stanley. Damals konnte man sich nicht vorstellen, dass die klassische Geldpolitik beim Kampf gegen eine Deflation an ihre Grenzen stoßen könnte. Deflation, ein anhaltend sinkendes Preisniveau, fürchten Ökonomen noch mehr als Inflation. Nun funktioniert die Euro-Zone mehr wie die USA – ein Währungsraum, in dem die Zentralbank stets als letzter Rettungsanker bereitsteht. 

Der Kritiker Thomas Mayer hält dagegen:

Zitat: Er vergleicht das neue Euroland mit der „Rubelzone“, die die Sowjetrepubliken bildeten, nachdem ihre Union politisch zerbrochen war. Dort konnten die nationalen Notenbanken – ähnlich wie derzeit im Euro-Gebiet – quasi unbegrenzt Geld drucken. Ein Gebilde, das sich als äußerst fragil erwies.

Die Länder greifen immer mehr in die gemeinsame Kasse. Die Rubelzone kollabierte, weil sich ein Land nach dem anderen von der immer instabileren Währung verabschiedete. Ich fürchte, dass sich Europa seit dem vergangenen Sommer auf einer schiefen Ebene befindet und sich in Zeitlupe in Richtung Rubelzone entwickelt. Die Chance, dieses Schicksal abzuwenden, taxiert er nur noch auf 40 Prozent.

Die Erwartungshaltung an Mario Draghi in der Bankenwelt jedenfalls ist gewaltig.

Clemence Fuest (ZEW)

Zitat: Draghis Versprechen, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu retten, gilt weiterhin. Wenn etwas schiefgehen sollte, würde man sich was anderes ausdenken.

Die WELT meint dann auch zum Schluß: Doch genau diese Erwartungshaltung ist für Draghi brandgefährlich. Sobald sich die Euro-Krise wieder zuspitzt, steht er vor der Wahl, entweder weitere Tabus zu brechen – oder eine riesige Panik der Investoren auszulösen, die bisher fest auf ihn vertrauen. Zum Abschluss seiner Rede in London lächelt Draghi ins Publikum. Er wirkt stolz auf seinen elfminütigen Auftritt. „Der Euro“, hat er den Gästen noch zugerufen, „ist unumkehrbar.“Der riskante Weg zu seiner Rettung ist es wohl auch.

Meine Meinung : Die Geldpolitik segelt auch weiterhin in unbekannten Gewässern und niemand kann wirklich vorhersehen wohin uns das führt. Das die Situation in der Währungsunion dann noch zu einer besonderen Entscheidungsitution für die EZB geführt hat, ist unbestritten. Nicht nur Helmut Schmidt sagte, das Sie die einzige Institution war und ist die in EUROPA handlungsfähig ist. Alleine aber wird  Sie und dass sagen auch ihre Unterstützer diese Krise nicht lösen können. Sie kauft in dem bestehenden System nur die Zeit für die Politik. Besonders die sträfliche Vernachlässigung einer gemeinsamen Fiskalpolitik fällt sehr negativ ins Gewicht. Dort setzt meine Kritik und die vieler anderen Beobachter dann auch besonders an. Für die Politik ist es ihr ureigener Bereich und sie sollte nicht allein der Geldpolitik (mit ihrer Nähe zur Finanzindustrie) das Feld überlassen.

So bleiben besonders die Fragen offen, was die europäischen Politiker jetzt tun müssten um diese Krise zu lösen. Und was sie den europäischen Bürgern an Konzepten anbieten. Da fällt mit dann ein positiver Ausblick doch sehr schwer.

Quellen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article118017767/Draghi-wird-ein-Tabu-brechen-oder-Panik-ausloesen.html

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/12718/die-impotenz-der-ezb/

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/11267/keine-entwarnung/

 

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Eine Antwort zu Spurensuche: „Ein Jahr nach Draghis Rede“ Eine vollkommen neue Währungsunion?

  1. guthabenkrise schreibt:

    Draghi rettet bisher Europa vor Merkels völliger Unfähigkeit gesamtwirtschaftlich zu denken. Da Sie diese Unfähigkeit mit ihrem Volk teilt, wird sie wohl wieder gewählt. Gnade uns Gott, wenn die Merkels & Mayers sich gegen die Draghis durchsetzen können.

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