Aktuelle Fragen zur Geldpolitik (Teil 1)

Wie ist die Geldpolitik der letzten Jahre zu bewerten?

Ben Bernankes Auftritt vor dem Offenmarktausschuss hat die Finanzmärkte weltweit aufgeschreckt. Viele Kommentatoren haben sich mit dem Marktverhalten beschäftigt.

Paul Krugman, The Economist etc. Im BLOG „Never Mind“ hat sich jetzt Markus Diem Meier deshalb nochmal der Geldpolitik der vergangenen Jahre gewidmet und stellt fest:

Zitat:

Mit der Sorge über ein Ende der ultralockeren Geldpolitik stellt sich auch erneut die Frage, ob sie die Risiken wert war. Die Antwort ist ein klares Ja.

Allein erste zaghafte Hinweise, dass die Geldpolitik künftig weniger expansiv sein könnte, haben an den Märkten zu Unruhen geführt, am deutlichsten hat sich das bei den Anleihen weltweit gezeigt.

Wie letzte Woche festgehalten, zeigt die Marktreaktion, dass der Ausstieg aus der Geldpolitik mit bedeutenden Risiken verbunden ist, was auch Ben Bernanke noch einmal deutlich gemacht hat. Das bedeutet aber nicht, dass auf die Geldpolitik hätte verzichtet werden können bzw. dass sie ein Fehler war.

Das führt uns einmal mehr zu den hier schon oft debattierten Kernfragen der seit Jahren anhaltenden Makrodebatte, die sich darum dreht, welches die richtige wirtschaftspolitische Antwort auf eine Krise dieses Ausmasses ist.

Diem bezieht klar Stellung für den eingeschlagenen geldpolitischen Weg und fragt zurecht nach einer Alternative und fährt fort:

Die Frage nach dem Nutzen der Geldpolitik. Tatsächlich ist sie die schlechtere Wahl: In einer Welt, wo die Vorgeschichte keine Rolle spielt (mehr dazu unten), und im Nachgang der Jahrhundertkrise mit Liquiditätsfalle, «Balance Sheet Recession», Deflationsgefahr und einem angeschlagenen Finanzsystem wäre eine expansive Fiskalpolitik (eine Ankurbelung mit Steuersenkungen und Mehrinvestitionen per Staatsbudget) das bessere Instrument, um aus der Krise zu finden.

Dann erläutert Diem die Grenzen der Geldpolitik in einem Umfeld wie dem beschriebenen Krisenszenario. Dann kommt er zur Fiskalpolitik und Ihre Vorgeschichte.

Wegen ihrer beschränkten Wirkung auf die Wirtschaft lehnen daher einige prominente Ökonomen wie etwa Richard Koo die aktive Geldpolitik der letzten Jahre als völlig wirkungslos ab. Koo setzt daher einzig auf die Fiskalpolitik.

Nun spielt aber die Vorgeschichte eine Rolle. Sie hat zur Folge, dass die Fiskalpolitik einen weit schlechteren Ruf hat als die Geldpolitik. Warum?

Ein hinderliches historisches Erbe für die Fiskalpolitik hat damit zu tun, dass in gewöhnlichen Zeiten – wie in den vergangenen Jahrzehnten – genau die umgekehrten Prioritäten gelten: Dann ist Fiskalpolitik das schlechtere Instrument und die Geldpolitik das bessere zur Stabilisierung der Konjunktur.

Die hohe Staatsverschuldung beschränkt (aktuell weniger aus ökonomischen als vielmehr aus politischen Gründen) die Möglichkeiten für die Fiskalpolitik und macht sie besonders unbeliebt.

Nach dieser Erklärung kehrt Diem dann wieder zur Geldpolitik zurück und stellt fest:

Womit wir wieder zurück bei der Geldpolitik sind. Da der gewöhnliche Wirkungskanal – der Leitzins – weitgehend ausgeschossen ist, bleibt als einziger Kanal zur Verbesserung der Lage das Schüren von Erwartungen:

a)Die grösste Bedeutung hat hier das glaubhafte Schüren von höheren Inflationserwartungen

b)In die gleiche Kategorie gehört die Idee, dass sich Notenbanken statt an einem Inflationsziel am nominalen Bruttoinlandprodukt (BIP) ausrichten sollen.

c)Die US-Zentralbank Fed kommt dieser Erwartungspolitik am nächsten. Das erklärt ihre Politik, den Leitzins selbst dann noch bei null Prozent zu belassen, wenn die Wirtschaftslage bereits erkennbar auf dem Weg der Besserung ist und mindestens eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent nach unten durchbrochen hat.

Kurz: Über die Beeinflussung von Erwartungen behält die Geldpolitik realen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung. Wie viel Erwartungsänderungen zu bewirken vermögen, zeigt sich ohnehin momentan besonders deutlich am Verhalten der Marktteilnehmer.

Diems Fazit betont dann auch die Unsicherheit und die Schwierigkeiten die mit einem Ausstieg verbunden sind.

Fazit: Der Ausstieg bleibt schwierig – allein die Wahl des richtigen Augenblicks und die Kommunikation dazu haben eine gewaltige Wirkung. Machen die Notenbanker hier grobe Fehler, drohen konjunkturelle Rückschläge bis hin zu einer erneuten Rezession im einen Fall oder Übertreibungen mit Preisblasen in Anlagemärkten und Inflation im anderen Fall. Dennoch wäre eine deutlich zurückhaltendere Geldpolitik in den Jahren nach der Krise keine Alternative gewesen.

Meiner Meinung nach keine Überraschung, wenn man in unbekannte Gefilde vorstößt. So weiss bis heute keiner was letzendlich passieren wird. Dennoch sind Artikel wie der von Never Mind hilfreich den Überblick zu bewahren.

Quelle:

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/13434/sinn-und-unsinn-der-geldpolitik/

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